Bitteres Wimbledon aus – Zverev zu arrogant?

Deutschlands Tennishoffnung Alexander Zverev ist beim Grand Slam-Turnier Wimbledon bereits in der dritten Runde ausgeschieden. Der 21-jährige Hamburger unterlag dem lettischen Ex-London-Halbfinalisten Ernests Gulbis mit 6:7 (2:7), 6:4, 7:5, 3:6, 0:6 und streicht damit im 13. Anlauf bei einem Major bereits zum elften Mal nach Woche eins die Segel. Nach der Niederlage sorgte Zverev einmal mehr mit seinem Verhalten für Gesprächsstoff. Tennisfans attestierten dem Youngster arrogantes Verhalten und Unreife.

Zverev legt sich mit Linienrichter an

Für die Pleite gegen den lettischen Rasenspezialisten hatte Zverev nach der Partie eine Erklärung parat. In den vergangenen Tagen litt der Deutsche unter einem Magen-Darm-Infekt, der im Zweitrunden-Spiel gegen Taylor Fritz sogar dazu führte, dass er sich übergeben musste. Auch im Spiel gegen Gulbis habe sich die Erkrankung ausgewirkt, bilanzierte Zverev nach dem Aus. „Es hatte definitiv etwas damit zu tun. In der Mitte des vierten Satzes fühlte es sich an, als hätte jemand den Stecker gezogen“, so die Nummer drei der Welt.

Während diese Reaktion durchaus nachvollziehbar ist, sorgte Zverev mit seinem Auftreten während der Partie für Kopfschütteln. Im dritten Satz kassierte der Hamburger eine Verwarnung des Linienrichters, weil er mehrmals fluchte. In einem anschließenden Wortwechsel mit dem Schiedsrichter äußerte sich Zverev abfällig gegenüber dem Linienrichter, beschuldigte diesen sich wichtig machen zu wollen.

Für Schläge gegen das Netz erntete der Madrid Master Sieger  zudem Buhrufe des britischen Publikums. Nicht zum ersten Mal schreibt der Youngster mit seinem arroganten Verhalten auf dem Platz negative Schlagzeilen, immer wieder fliegen Schläger durch die Luft. Ex-Trainer Juan Carlos Ferrero verlange bereits vor Jahren mehr Disziplin vom 21-jährigen gefordert, auch im deutschen Davis-Cup-Team sorgte er bereits für Unmut.

Verständnis von Becker

Die deutsche Tennis-Legende Boris Becker nimmt seinen Landsmann in Schutz und fordert Nachsicht für dessen Scharmützel. „Er ist noch jung, er wird dazulernen. Wir müssen ihn pflegen. Auch wenn wir irgendwann den Davis Cup gewinnen wollen, können wir das nur mit Sascha Zverev. Er ist ein ungeschliffener Diamant“. Zverev selbst lässt die Kritik indes kalt. Nach ein paar Tagen „am Pool in Monaco“ werde er wieder angreifen. Ob Statements wie dieses sein Standing bei den Tennisfans verbessern ist allerdings fraglich.

Del Potro in Lauerstellung

Das unrühmliche Aus von Zverev beim Klassiker in Wimbledon könnte auch Folgen in der ATP Einzelwertung haben. Schließlich ist mit Juan Martin del Potro noch ein direkter Konkurrent Zverevs im Rennen. Zverev hält zwar aktuell noch bei 5755 Punkten in der ATP Gesamtwertung und bei 3495 in der Saisonwertung, dem Race to London, Del Potro könnte dem Deutschen aber nun in beiden Wertungen Rang 3 streitig machen. Der argentinische Routinier hält aktuell bei 5080 bzw.  3020 Punkten. Bei einem starken Turnierverlauf wird „DelPo“ Zverev wohl von Platz 3 verdrängen.

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Bei den aktuellen Wimbledon Quoten stehen die Chancen auf ein gutes Abschneiden von Del Potro jedenfalls nicht schlecht. Dennoch ist der große Gejagte auch dieses Jahr wieder ganz klar Roger Federer. „FedEx“ strebt seinen 9. Wimbledon Grand Slam Titel an und die Rückkehr an die Spitze der ATP Weltrangliste.

Derzeit macht ihm aber Dauerrivale Rafa Nadal noch einen Strich durch die Rechnung. Der Spanier präsentiert sich bei Wimbledon 2018 bisher stark und wird auch bei einer Titelverteidigung von Federer weiter an der Spitze bleiben. Auch Novak Djokovic präsentiert sich auf Rasen endlich wieder in Topform, nachdem der Serbe 2018 noch einiges schuldig geblieben war. Es bleibt ein heißer Kampf um die begehrteste Trophäe im Tennissport – jedoch ohne Alexander Zverev.

Im ATP Spielplan geht es für den 21-jährigen Hamburger bei den German Tennis Championships vom 23.7. – 29.7. vor heimischem Publikum in der Hansestadt also nicht nur um Wiedergutmachung, sondern auch um wertvolle Punkte in der Einzelwertung.